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Als '''Oper''' (von ital. ''opera in musica'', ?musikalisches Werk?) bezeichnet man seit 1639 eine musikalische Gattung des Theaters. Ferner werden auch das Opernhaus (die Aufführungsstätte oder produzierende Institution) oder die aufführende Kompagnie als ''Oper'' bezeichnet.

Eine Oper besteht aus der Vertonung einer dramatischen Dichtung, die von einem , einem begleitenden Orchester sowie manchmal von einem Chor und einem Ballettensemble ausgeführt wird. Neben dem Gesang führen die Darsteller Schauspiel und Tanz auf einer aus, die mit den Mitteln von Malerei, Architektur, Requisite, Beleuchtung und gestaltet ist. Die Rollen der Darsteller werden durch Maske und optisch verdeutlicht. Als künstlerische Leitung betätigen sich der Dirigent für das Musikalische, der Regisseur für die Personenführung und der ner für die Ausstattung. Im Hintergrund unterstützt sie die Dramaturgie.

Abgrenzungen

Die Oper wird mit Tanz, </ref> Die Grenzen zu verwandten Kunstwerken sind fließend und definieren sich in jeder Epoche, meist auch im Hinblick auf bestimmte nationale Vorlieben, immer wieder neu. Auf diese Art bleibt die Oper als Gattung lebendig und erhält immer wieder neue Anregungen aus den verschiedensten Bereichen des Theaters.

Oper und Schauspiel

Schauspiele in dem strengen Sinne, dass auf der Bühne nur gesprochen würde, sind in der Theatergeschichte selten. Mischformen aus Musik, Rezitation und Tanz waren die Regel, auch wenn sich zu manchen Zeiten Literaten und Theaterleute um eine Rettung oder Reform des Schauspiels bemüht haben. Seit dem 18. Jahrhundert sind Mischformen zwischen Schauspiel und Oper aus den verschiedenen Spielarten der hervorgegangen, wie Ballad Opera, Singspiel oder Posse mit Gesang. Die Singspiele Mozarts werden der Oper zugerechnet, diejenigen Nestroys gelten als Schauspiele. Auf der Grenze bewegen sich z. B. auch die Werke von Brecht/Weill, deren ''Dreigroschenoper'' dem Schauspiel näher steht, während ''Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny'' eine Oper ist. Sich dem Schauspiel völlig unterordnende Musik bezeichnet man als Schauspielmusik.

Eine verbreitete, dem Schauspiel verwandte Theaterform seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts war das Melodram, das heute nur noch im populären Film gegenwärtig ist. Es hatte mit seinen Abenteuerstoffen großen Einfluss auf die Oper in jener Zeit. Stellenweise enthielt es Hintergrundmusik als Untermalung der Bühnenhandlung (weniger des gesprochenen Texts). Darauf bezieht sich der heute noch bekannte Begriff Melodram. Eine solche Untermalung findet sich zum Beispiel in Mozarts ''Idomeneo'', Ludwig van Beethovens ''Fidelio'', in Webers '''' (in der Wolfsschluchtszene) und in Humperdincks ''''.

Oper und Ballett

In französischer Tradition war der Tanz seit dem Barock in die Oper integriert. Das klassische Ballett löste sich im 19. Jahrhundert mühevoll aus dieser Verbindung, aber in neoklassizistischen Werken des 20. Jahrhunderts, beispielsweise bei Igor Strawinsky oder Bohuslav Martin?, bestätigt sich die Verwandtschaft von Oper und Ballett erneut. Auch die italienische Oper war nicht frei von Tanz, wenn auch der Tanz nicht im gleichen Maß dominierte. Heute werden die Ballette und Divertissements der Repertoirewerke meist aus den Partituren gestrichen, sodass der Eindruck einer Spartentrennung entsteht.

Oper und Operette/Musical

Das Genre der , die Weiterentwicklung des populären Musiktheaters in den Vereinigten Staaten. Operette und Musical sind gleichwohl in nicht geringerem Maße Kunstformen als die Oper.

Geschichte

Opern sind von einer Formenvielfalt geprägt, die durch konventionelle Kompositionsstile ebenso wie durch individuelle Lösungen der Komponisten bestimmt wird. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Formel für ihre Struktur. Grob gesehen, kann man jedoch eine Entwicklung von der Nummernoper über viele verschiedene Mischformen bis hin zur durchkomponierten Oper gegen 1900 feststellen.

Nummernoper

Von der Barockzeit bis in die Romantik hinein ist die Oper eine Aneinanderreihung in sich geschlossener Musikstücke (? gegliedert sein. Die musikalischen Bestandteile der Oper sind vielfältig:

Instrumentalmusik

  • Ein eigenständiges Musikstück ist die , ital. oft ''Sinfonia'', die eine Oper oder einen Akt eröffnet. Seit dem 19. Jahrhundert wird zunehmend thematisches Material aus der Oper zitiert, oder die Ouvertüre schildert wesentliche Züge der Handlung, was auch ?Programmouvertüre? genannt wird (z. B. '''', 1821, von Carl Maria von Weber). Klassische und romantische Ouvertüren werden auch separat von der Oper als Konzertstücke eingesetzt. Deshalb liegen für eine Ouvertüre manchmal zwei Schlüsse vor: einer, der in die Oper überleitet, und ein sogenannter Konzertschluss.
  • Die Introduktion oder das ''Vorspiel'' ist meist kürzer als eine Ouvertüre und geht oft direkt in die erste Szene über (z. B. ''Der Rosenkavalier'', 1911, von Richard Strauss).
  • Ein Entracte oder Zwischenspiel des Orchesters verbindet Akte, Bilder oder Szenen. Solche Passagen werden häufig für Verwandlungen auf der Bühne genutzt. In manchen Fällen werden Zwischenspiele getrennt vom Bühnenstück, aus dem sie stammen, als Konzertstücke aufgeführt ('''', 1872, oder auch die Zwischenspiele aus ''Carmen'', 1875, von Georges Bizet, ''Four Sea Interludes'' aus Benjamin Brittens ''Peter Grimes'', 1945).
  • Vor allem die französische Oper enthält traditionell eine längere Ballettmusik, die für Aufführungen im 20. Jahrhundert aber zunehmend weggelassen wurde. Bekannt wurden etwa das Nonnenballett aus Giacomo Meyerbeers ''Robert le diable'' (1831), das höfische Ballett aus Giuseppe Verdis ''Don Carlos'' (1867) oder das Bacchanal zu Beginn der Pariser Fassung von Wagners '''' (1861).
  • Viele Opern enthalten zudem einzelne , , Pantomimen, Auftrittsmusiken etc. Frühe französische Opern werden durch eine Reihe kleiner Tanzstücke (Divertissements) beschlossen.

Geschlossene lyrische Formen

  • Die Arie ist der Oberbegriff für alle Sologesänge in der Oper. Andere Bezeichnungen für Solostücke sind Lied, Cavatine, Couplet, ''Ariette'', ''Romanze'', Ballade. Virtuose italienische Arien hatten einen verzierten Schlusssatz, der Cabaletta genannt wird. Arien sind oft die publikumswirksamsten und bekanntesten Teile einer Oper und werden einzeln, manchmal mit vorausgehendem Rezitativ, außerhalb des Opernrahmens in Konzerten gegeben. Die Arie beschreibt häufig einen Gefühlszustand, Erinnerungen oder Gedanken der singenden Figur und lässt so die dramatische Handlung stillstehen.
  • .
  • Der Chor bietet Abwechslung zu den Solostücken und lässt im 19. Jahrhundert häufig das Volk zu Wort kommen. In manchen Opern lässt er die solistischen Stücke in den Hintergrund treten, wie bei Antonio Salieri in '''' (1784), Gioachino Rossinis '''' (1827) oder Modest Mussorgskis ''Boris Godunow'' (1874).
  • Eine Sonderstellung nimmt das französische Vaudeville des 17./18. Jahrhunderts ein, ein abwechselnd gesungenes bekanntes Strophenlied, oft mit gemeinsamem Refrain, zum Beispiel im Finale von Mozarts '''' (1782).

Handlungsbetonte Passagen und Nummern

  • Das Rezitativ ist eine Textvertonung, die sich dem Sprachrhythmus und der Sprachmelodie angleicht. Es dient hauptsächlich dazu, Handlung zu transportieren, vor allem in Dialogszenen. In der Musik des Barock und der Klassik unterscheidet man zwischen ''Recitativo secco'', (ital. ''secco'', trocken) und ''Recitativo accompagnato'' (ital. ''accompagnato'', begleitet). Beim Secco-Rezitativ sind nur Gesangs- und Bassstimme notiert, später auch die dazugehörigen Akkorde als Generalbass oder in ausgeschriebener Form. Der Sänger wird von einem oder wenigen Instrumenten begleitet, meistens ein Bass- und ein Harmonieinstrument (Zupf- oder Tasteninstrument). Im 18. Jahrhundert fiel diese Aufgabe zunehmend nur noch dem Cembalo, später auch dem Hammerklavier zu. Beim Accompagnato-Rezitativ ist die Begleitung für das Orchester auskomponiert, es steht oft im Zusammenhang mit einer Arie, deren Situation es vorbereitet.
  • Die Szene, ital. ''Scena'', entstand im 19. Jahrhundert aus dem handlungsbetonten Rezitativ und wird vom Orchester begleitet. Meist schließt sich daran eine Arie an.
  • Das Melodram besteht entweder aus musikbegleitetem Sprechen, wie etwa in Antonio Salieris ''Rauchfangkehrer'' (1781), der Kerkerszene aus Ludwig van Beethovens ''Fidelio'' (1805/1814) und der Wolfsschluchtszene aus Carl Maria von Webers '''' (1821), oder auch nur aus musikbegleiteter Pantomime wie in s ''La muette de Portici'' (1828) oder Giacomo Puccinis ''Suor Angelica'' (1918). Das Melodram bildet eine eigenständige Form, die ganze Werke umfasste wie Franz Schuberts ''Die Zauberharfe'' (1820), ist aber heute von den Theatern verschwunden. Auf die Wirkung des Melodrams greift die heutige Filmmusik zurück.

Durchkomponierte Großform

Die Trennung der Nummern und die Abgrenzung zwischen Rezitativ und Arie wurden im 19. Jahrhundert in Frage gestellt. Ab 1825 verschwand allmählich das Secco-Rezitativ, an seine Stelle trat in der italienischen Literatur das Prinzip von ''scena ed aria'', das bei Giuseppe Verdi die Akte zu einem größeren musikalischen Ganzen formt. Richard Wagner propagierte ab der Mitte des Jahrhunderts den Verzicht auf die Nummernstruktur zugunsten eines durchkomponierten, auf der Grundlage von Leitmotiven geformten Ganzen. Für Wagners Opern hat sich der Begriff Musikdrama durchgesetzt, das Stichwort ?Unendliche Melodie? steht für ein kontinuierliches Fortschreiten der musikalischen und emotionalen Entwicklung, das sich nach seiner Auffassung gegen musikalische Tanzformen durchsetzen sollte. Seine Oper ''Tristan und Isolde'' (1865) bezeichnete Wagner als ?Handlung in Musik?, was an die ursprünglichen Opernbegriffe ?favola in musica? oder ?dramma per musica? erinnern sollte.

Die durchkomponierte Form wurde im späten 19. Jahrhundert allgemein bevorzugt, auch bei Jules Massenet oder Giacomo Puccini, und blieb das vorherrschende Modell der frühen Moderne bis zum Neoklassizismus, der mit brüchigen Strukturen und mit Rückbezügen auf Formen der frühen Operngeschichte experimentierte. Auch in sich abgeschlossene Teile aus durchkomponierten Opern werden in Konzerten aufgeführt, wie etwa viele Arien aus Puccini-Opern. Als Meister der durchkomponierten Großform gilt Richard Strauss, der dies insbesondere in den Einaktern ''Salome'', ''Elektra'' und ''Ariadne auf Naxos'' unter Beweis stellte.

Im 20. Jahrhundert griffen viele Komponisten wieder auf das Nummernprinzip zurück, zum Beispiel , Igor Strawinski oder Kurt Weill. Die Nummernoper besteht außerdem in Operette und Musical weiter.

Opera seria und Opera buffa

In der Geschichte der Oper gab es zumeist einen ?hohen? und einen ?niederen? Stil, frei nach der antiken Unterscheidung zwischen und . Nicht immer bedeutet dies jedoch eine Grenze zwischen ernst und lustig. Der ?hohe? Stil kann sich über den ?niederen? auch einfach durch antike Stoffe erheben oder durch adlige Figuren oder durch eine ?literarisch? ernst zu nehmende Vorlage oder durch ?schwierige? (bzw. bloß durchkomponierte) Musik. All diese Anhaltspunkte für das Wertvollere wurden im Lauf der Geschichte angegriffen. Dabei gab es Gattungen, die den Gegensatz abzuschwächen versuchten wie die Opera semiseria.

Solange die Oper noch im Stadium des Experiments war, wie bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts, war eine Trennung noch nicht nötig. Sie ergab sich erst, als Opernaufführungen zur Gewohnheit wurden, und zwar aus sozialen Gründen: Die ernste Oper enthielt aristokratisches Personal und ?hohe? politische Symbolik, die komische hatte bürgerliche Figuren und ?unwesentliche? alltägliche Handlungen zum Thema. Allmählich trennten sich auf, und auch bürgerliche Opern durften ?ernst? sein. Somit ergaben sich im 19. Jahrhundert andere Abgrenzungen zwischen Tragödie und Komödie als im 18. Jahrhundert.

Ein Sammelbegriff sowohl für tragische als auch für komische Werke ist das italienische Dramma per musica, wie die Oper in ihrer Anfangszeit betitelt wurde. Ein Beispiel für eine frühe ernste Oper ist ''Il ritorno d?Ulisse in patria'' von Claudio Monteverdi. Der seriöse Anspruch resultiert aus dem Rückgriff auf antike Theaterstoffe ? insbesondere Tragödien ? und epische Heldendichtungen. Sie wurden seit dem späteren 18. Jahrhundert von jüngeren historischen Sujets verdrängt. Im Italien des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Dramma in der Zusammensetzung Melodramma verwendet und nicht mehr auf das antike Drama bezogen. Sowohl Bellinis tragische Oper ''Norma'' als auch die komödiantische Oper ''L?elisir d?amore'' von Gaetano Donizetti wurden so genannt.

?Hoher? Stil

Als fester Begriff etablierte sich die Opera seria erst im 18. Jahrhundert. Mischformen oder tragikomische Inhalte waren mit dieser Titelbezeichnung ausgeschlossen. Oper ''Radamisto'' ist ein typisches Werk. Als Antipode zu Italien verlieh Frankreich seiner eigenen Form der Opera seria den Titel , wesentlich geprägt durch Jean-Baptiste Lully und das Ballett am Hofe , später durch Jean-Philippe Rameau. Nach der Französischen Revolution etablierte sich allmählich die als bürgerliche ernste Oper. Dazu zählen ''Les Huguenots'' von Giacomo Meyerbeer, auch weniger erfolgreiche Werke wie ''Les Troyens'' von Hector Berlioz.

Das durchkomponierte Musikdrama des reiferen Richard Wagner ''(Der Ring des Nibelungen)'' hatte großen internationalen Einfluss. Französische Komponisten jener Zeit wie Massenet setzten dagegen eher auf einen durchsichtigen und gesanglichen Opernstil, für den die Bezeichnung Drame lyrique verwendet wurde. Noch Debussy verwendete diesen Begriff für seine Oper ''''.

Schon immer konnten Opernstoffe von Romanen, Novellen oder en herstammen. Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts verstand sich als in Musik gekleidete Literatur. Seitdem die Musik die absolute Vorherrschaft erlangt hat, also seit dem späten 19. Jahrhundert, nennt man ausgesprochen literarische Opern Literaturoper. ''Death in Venice'' von Benjamin Britten nach der Vorlage von Thomas Mann ist eine recht getreue Umsetzung des literarischen Stoffes in Musik.

?Niederer? Stil

Die Opera buffa ist die Urform der heiteren Oper. Pergolesis ''La serva padrona'' galt um die Mitte des 18. Jahrhunderts als das maßgebliche Beispiel. Ein spätes Beispiel ist ''Il barbiere di Siviglia'' von Gioachino Rossini. Die ausnehmend heiteren Opern waren oft geringer angesehen als die sentimentalen. Ihre Stoffe stammen aus dem Volkstheater und von der Posse, stark beeinflusst durch die italienische Commedia dell?arte.

Aus der frühen Opera buffa geht die französische hervor, die vor der Revolution zur Oper eines zunehmend selbstbewussten Bürgertums wird. Zunächst verstand man hierunter eher ein Liederspiel (Vaudeville). Doch der musikalische Anteil wurde immer größer und begann zu überwiegen. Aus der Opéra-comique ist das deutschsprachige Singspiel entstanden. Das Singspiel trägt oft volkstümlich-bürgerlichen Charakter, ist geprägt von einfachen Lied- bzw. Rondo-Formen und verwendet statt Rezitativen gesprochene Dialoge, gelegentlich auch Melodramen zwischen den musikalischen Nummern.

Der Hof sprach Französisch. Das Problem der deutschen Oper war im 18. und zum Teil noch im 19. Jahrhundert, dass sie als volkssprachliche Oper zur ?niederen? Gattung gehörte und sich behaupten und emanzipieren musste. '''' von Wolfgang Amadeus Mozart ist eines der bekanntesten Singspiele mit dieser Zielsetzung. Mozart bedient sich für die Arien auch komplexerer musikalischer Formen. Das im Auftrag von Kaiser zur Etablierung eines ''Nationalsingspiels'' geschaffene, 1782 am Wiener Burgtheater uraufgeführte Werk war für die Entwicklung der deutschen Oper von entscheidender Bedeutung.

Paris war im 19. Jahrhundert führend für die Operngeschichte, und auch die Italiener wie Rossini und Verdi kamen hierher. Die , die im Haus der aufgeführt wurde, blieb auch gegenüber der neu entstandenen, durchkomponierten , die in der zur Aufführung kam, zweitrangig ? weniger von ihrer musikalischen als von ihrer sozialen Bedeutung her. Aus den erwähnten Gründen musste sie nicht unbedingt einen heiteren Inhalt haben. Ein auch im deutschen Sprachgebiet bekanntes Beispiel einer komisch-rührseligen Opéra-comique ist ''Der Postillon von Lonjumeau'' von Adolphe Adam. Eine Gruppe von formal noch als Opéra-comique zu bezeichnenden Werken nach 1860 verstärkte den sentimentalen Grundcharakter (etwa ''Mignon'' von Ambroise Thomas). Ein sentimentaler Einschlag findet sich auch in einigen komischen Opern von Rossini (''La Cenerentola'').

Eine Erneuerung der Opéra-comique gelang mit ''Carmen'' von Georges Bizet, deren Dramatik in die Richtung der Verismo-Oper weist. Bei ihr war ? abgesehen von den proletarischen Figuren ? das Reißerische ein Merkmal des ?niederen? Stils.

Große Oper ? Kammeroper

Auch die ?Größe? kann ein Zeichen für hohen oder niederen Stil sein. Zuweilen findet sich der Begriff ?Große Oper? als Untertitel eines Werkes. Damit wird zum Beispiel gesagt, dass das Orchester und der Chor in großer Besetzung spielen und singen sollten, oder dass die Oper ein abendfüllendes Werk mit integriertem Ballett ist. Dies sind Opern, die nur in einem größeren Theater zur Aufführung kommen und sich vom Repertoire der fahrenden Truppen unterscheiden konnten. Als Beispiel für eine ?Große Oper? ist ''Manon'' von Jules Massenet zu nennen.

Der Begriff Kammeroper bezieht sich dagegen auf ein mit geringem Personal realisierbares Werk. Die Anzahl der Sänger ist in der Regel nicht mehr als fünf, das Orchester wird auf ein Kammerorchester begrenzt. Dies konnte aus der Not materielle Armut hervorgehen und damit auf das ?niedere? Genre verweisen oder im Gegenteil die größere Exklusivität und Konzentration eines ?höheren? Genres bedeuten. Auch die Bühne ist oftmals kleiner, was zu einer intimeren Atmosphäre beitragen kann, die für die Wirkung des Werkes von Vorteil ist. Beispiele dafür wären ''Albert Herring'' von Benjamin Britten oder ?Les Larmes de couteau? von Bohuslav Martin?.

Gattung oder bloß Untertitel?

Manche Opernkomponisten wehrten sich auch gegen die Einordnung in Gattungstraditionen oder bezeichneten ihre Werke in bewusster Relation zu diesen mit bestimmten Untertiteln. Wagners ''Tristan und Isolde'' trägt zum Beispiel die Bezeichnung ?Handlung in Musik?, Luciano Berio verwendete für sein Werk ''Passaggio'' etwa den Begriff ?messa in scena? (?Inszenierung?). George Gershwin beschrieb sein Werk ''Porgy and Bess'' als ?An American Folk Opera?. Um sich von klischeehaften Vorstellungen abzugrenzen, bevorzugen moderne Komponisten oft alternative Bezeichnungen wie etwa ?azione scenica? (''Al gran sole carico d?amore'' von Luigi Nono) oder ?azione musicale? (?musikalische Handlung?, ''Un re in ascolto'' von Luciano Berio). Auch Peter Tschaikowskis bekannte Oper ''Eugen Onegin'' wurde vom Komponisten ?Lyrische Szenen? genannt.

Weitere Sonderformen

, 18. März 2016</ref>

Vereinzelt gibt es Beispiele für Opern ? darunter John Coriglianos 1991 uraufgeführtes Werk ''The Ghosts of Versailles'' ?, die bezogen auf die Form selbstreferenziell sind, indem sie selbst wiederum Schauspiel oder Oper enthalten.

Aufführungspraxis der Oper

Repertoire

Aufgrund der nicht immer leichten Abgrenzbarkeit der Gattung Oper von anderen musikalischen Gattungen und Genres und der Praxis des Pasticcios ist eine Aussage zum Gesamtumfang des Opern-Repertoires mit zahlreichen Schwierigkeiten behaftet. Aktuelle Auflistungen gehen von ca. 5800 bis 6000 bekannten Werken aus. Rechnet man die nicht unerhebliche Anzahl verschollener und verlorener Werke, insbesondere des 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit ein, dürfte eine Gesamtzahl von ca. 60.000 Opern realistisch sein.

Die große Menge an Werken macht es Theatern und Opernhäusern nicht einfach, eine Auswahl zu treffen, die einem hohen Anspruch genügt und auch genügend Publikum findet. Abhängig von der Größe des Theaters und dem vorhandenen Budget wird von Intendant und Dramaturgie für jede Sparte des Theaters (Schauspiel, Musiktheater, Ballett, Kinder- und Jugendtheater, Puppentheater etc.) ein Spielplan erarbeitet, der dem Haus und seinen Mitarbeitern angepasst ist. Der Spielplan geht auf die regionalen Eigenheiten und Aufführungstraditionen des Ortes ein ? zum Beispiel durch open air-Festspiele, Weihnachts- oder Neujahrskonzerte ? weist aber auch auf aktuelle Strömungen des Musiktheaters hin, indem auch zeitgenössische Werke aufgeführt werden. Je nach Größe des Hauses werden verschiedene Opern in einer Spielzeit neu inszeniert. Die erste öffentliche Darbietung einer neuen Oper nennt man , die erste öffentliche Darbietung einer Oper in einer neuen Inszenierung Premiere.

Nach und nach hat sich ein praxiserprobter, mehr oder weniger enger Kanon an Opern herausgebildet, die regelmäßig auf dem Spielplan stehen. Etwa 150 Opern bilden diesen nicht festgeschriebenen Kanon im Kern. Entsprechend hat sich das Interesse vor allem des Feuilletons von den vielfach bereits bekannten Werken hin zu deren Interpretation verlagert, wobei vor allem die Inszenierung in den Vordergrund rückt. Das Publikum verbindet seine Lieblingsopern oft mit bestimmten Traditionen, die zum Teil auch in Konventionen erstarrt sind, und reagiert auf radikale Deutungsansätze (Regietheater) kontrovers.

Sprache der Aufführungen

Bis zur Mitte der 1960er Jahre wurden Opern zumeist in der jeweiligen Landessprache des Aufführungsortes aufgeführt. So wurden Verdi-Opern in Deutschland in deutscher Sprache und Wagner-Opern in Italien in italienischer Sprache gesungen, wie auch Radio- und Fernsehaufzeichnungen belegen. Bereits zuvor gab es jedoch Theater, die Opern in der jeweiligen Originalsprache aufführten, etwa die Metropolitan Opera in New York. Auch die Salzburger Festspiele zeigten Opern stets ausschließlich in der Originalsprache. Aufgrund eines Vertrages mit der , bei dem sich italienische Sänger verpflichteten, auch an der Wiener Staatsoper zu singen, führte Herbert von Karajan 1956 an der Wiener Staatsoper das Prinzip ein, Opern in der Originalsprache aufzuführen. Mit seiner Begründung, die Einheit von Wort und Musik gehe bei Übersetzungen in eine andere Sprache verloren, wurden Opern allmählich immer mehr in ihrer ursprünglichen Form aufgeführt. Auch der Schallplatten und Sänger-Markt, der sich zunehmend internationalisierte, trug entscheidend zu dieser Entwicklung bei. In der DDR gab es hingegen weiterhin eine große Tradition von Übersetzungen, jedoch wurde mit neuen Übertragungen (z. B. Walter Felsenstein, Siegfried Schoenbohm) versucht, den Inhalt des Originals genauer, sprachlich gelungener und vor allem musikalisch passender umzusetzen. Heute werden in fast allen großen Opernhäusern Opern in der Originalsprache aufgeführt und dazu simultan eingeblendet.

An vielen kleineren Theatern, vor allem im Osten Deutschlands, gibt es noch Aufführungen in deutscher Sprache. Auch gibt es in einigen Städten (z. B. Berlin, München, Wien) mehrere Opernhäuser, von denen eines Opern in Übersetzungen aufführt, wie etwa die Volksoper Wien, die Komische Oper Berlin, das in München, oder in London die English National Opera. Hin und wieder gibt es auch eine autorisierte Übersetzung (wie im Falle der Opern s, deren deutscher Text von Janá?eks Freund Max Brod stammt, so dass auch der deutsche Text als original gelten darf). Schwierig gestaltet sich die Aufführung in Originalsprache auch immer dann, wenn Dialoge in dem Werk vorkommen. Hier gibt es auch Mischformen, das heißt, gesprochene Texte werden übersetzt, gesungene erklingen jedoch in Originalsprache. Im Bereich Singspiel, Operette, Musical ist daher die übersetzte Musiktheateraufführung weit verbreitet. Für die exakte Übersetzung aus einer Fremdsprache ist am Theater die Dramaturgie zuständig. Wenn die Sprachkenntnisse der Korrepetitoren vertieft werden sollen, werden auch spezialisierte Coaches für eine Fremdsprache hinzugezogen.

Siehe auch

  • Liste von Opern
  • Singspiel, Operette, Musical, Kinderoper, Fernsehoper, Opera seria, Semi-Oper, Opera semiseria, Chinesische Oper, Peking-Oper, Modelloper, Funkoper, Musikdrama, Maskenspiel, Masque

Literatur

Bücher

  • Barbara Beyer: ''Warum Oper?'', Alexander Verlag Berlin, 2006, ISBN 3-89581-145-9
  • ''. 6 Bände und Register. Piper, München und Zürich 1986?1997
  • Jens Malte Fischer: ''Oper ? das mögliche Kunstwerk''. Anif/Salzburg: Müller-Speiser 1991
  • Jens Malte Fischer: ''Vom Wunderwerk der Oper''. Zsolnay: Wien 2007. ISBN 978-3-552-05396-0
  • Johannes Jansen: ''Schnellkurs Oper.'' Dumont Buchverlag, Köln 1998, ISBN 3-7701-4280-2
  • Rudolf Kloiber, Wulf Konold, Robert Maschka: ''Handbuch der Oper.'' Neuausgabe. 14., grundlegend überarbeitete Auflage, J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02586-9.
  • Arnold Jacobshagen (Hrsg.): ''Praxis Musiktheater. Ein Handbuch.'' Laaber-Verlag, Laaber 2002, ISBN 978-3-89007-512-9
  • Carl Dahlhaus, (Hrsg.): ''Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters.'' Piper, München/Zürich 1986?1997, ISBN 3-492-02411-4, ISBN 3-492-03972-3 (6 Bände und ein Registerband)
  • Isolde Schmid-Reiter (Hrsg.): ''L?Europe Baroque. Oper im 17. und 18. Jahrhundert. L?opéra aux XVIIe et XVIIIe siècles'', ConBrio, Regensburg 2010, ISBN 978-3-940768-17-9.
  • Ulrich Schreiber: ''Die Kunst der Oper.'' Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1988?2005, ISBN 3-7632-3101-3, ISBN 3-7632-5643-1 (4 Bände)
  • Ulrich Schreiber: ''Opernführer für Fortgeschrittene I: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution'', Verlag Bärenreiter 1999, ISBN 3-7618-0899-2
  • Ulrich Schreiber: ''Opernführer für Fortgeschrittene II: Das 19. Jahrhundert'', Verlag Bärenreiter 2000, ISBN 3-7618-1028-8
  • Ulrich Schreiber: ''Opernführer für Fortgeschrittene III: Das 20. Jahrhundert'' (3 Bände). Verlag Bärenreiter 2000?2006, III.1: ISBN 3-7618-1436-4, III.2: ISBN 3-7618-1437-2, III.3: ISBN 3-7618-1859-9
  • Silke Leopold, Robert Maschka: ''Who?s who in der Oper.'' Deutscher Taschenbuch-Verlag (München)/Bärenreiter (Kassel u. a.) 2004, ISBN 3-423-34126-2 oder ISBN 3-7618-1780-0
  • Stanley Sadie (Hrsg.): ''The New Grove Dictionary of Opera.'' Grove, New York / Oxford 2004, ISBN 0-19-522186-9 (englisch)
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): ''Handbuch der musikalischen Gattungen''. Band 11; Silke Leopold: ''Die Oper im 17. Jahrhundert''. Verlag Laaber, 2004, ISBN 978-3-89007-134-3
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): ''Handbuch der musikalischen Gattungen''. Band 12; Herbert Schneider, Reinhard Wiesend (Hrsg.): ''Die Oper im 18. Jahrhundert''. Verlag Laaber, 2001, ISBN 978-3-89007-135-0
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): ''Handbuch der musikalischen Gattungen''. Band 13; Sieghart Döhring, : ''Oper und Musikdrama im 19. Jahrhundert''. Verlag Laaber 1997, ISBN 978-3-89007-136-7
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): ''Handbuch der musikalischen Gattungen''. Band 14; Siegfried Mauser (Hrsg.): ''Musiktheater im 20. Jahrhundert''. Verlag Laaber, 2002, ISBN 978-3-89007-285-2
  • Dieter Zöchling: ''Die Oper. Westermanns farbiger Führer durch Oper, Operette, Musical. Mit einem Vorwort von Placido Domingo.'' Westermann Verlag, Braunschweig 1981, Redaktionsbüro Harenberg, Schwerte, ISBN 3-611-00024-8 (mit 166 Komponistenporträts und Vorstellung von 400 Opern, Operetten und Musicals ? jeweils mit Handlung und kritischer Wertung sowie Informationen zu Libretto, Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, Uraufführung, deutscher Erstaufführung, einzelnen Rollen und Sekundärliteratur)
  • ''The New Franzen Opera Encyclopedia I'' ? ein Werkverzeichnis aller je geschriebenen und uraufgeführten Opern, Operetten und Singspiele. Zürich 1998, ISBN 3-905587-05-X
  • ''The New Franzen Opera Encyclopedia II'' ? ein Verzeichnis aller Opernsängerinnen und Opernsänger. Zürich 1999, ISBN 3-905587-08-4
  • ''The New Franzen Opera Encyclopedia III'' ? ein Verzeichnis aller Opernkomponisten mit Diskografie. Zürich 1999, ISBN 3-905587-10-6
  • ''Harenberg Opernführer ? Der Schlüssel zu 500 Opern, ihrer Handlung und Geschichte'' (mit CD-Empfehlungen der ?Opernwelt?-Redaktion). Dortmund 1995, ISBN 3-611-00496-0
  • Elisabeth Schmierer: ''Lexikon der Oper in 2 Bänden.'' Laaber-Verlag, Laaber, 2002. ISBN 978-3-89007-524-2
  • Clemens Wolthens: ''Oper und Operette.'' Tosa Verlag, Wien 1970
  • Peter Overbeck: Oper. 100 Seiten. Reclam-Verlag, Ditzingen 2019. ISBN 978-3-15-020537-2.

Fachzeitschriften

  • ''Oper! das Magazin.'' Verlag Ulrich Ruhnke, Berlin,
  • ''Opernwelt.'' Friedrich-Berlin-Verlags-Gesellschaft, Berlin,
  • ''Das Opernglas.'' Opernglas-Verlags-Gesellschaft, Hamburg,

Weblinks

  • Synopsis ? Libretti ? Höhepunkte
  • Opernnetz ? Das Online-Musiktheater-Magazin
  • Daten- und Linksammlung ''OperaGlass'' (englisch)
  • Online-Datenbank ?Die Oper in Italien und Deutschland zwischen 1770 und 1830?
  • Kultur-Fibel, viele Opern ? ausführlich mit div. Fotos
  • OperaLounge ? Das etwas andere Opernmagazin. Leidenschaftlich. Bissig. Aktuell.
  • ViFaMusik-Sammlung von Opernstreaming-Angeboten

Einzelnachweise